Requiem

Statt Trauer – Suche nach der Pracht des Lebens und dem irdischen Paradies.

Eine tosende Brandung, nicht enden wollender Ovationen. Die Bühne ein schillerndes Blütenmeer, geworfener Blumen. Die Begeisterung reflektiert die lebendige Pracht, der Klänge und Bewegungen, mit der die mehrfach preisgekrönte Niederländerin Nanine Linning, als neue Tanzchefin, die verwaiste Tanzsparte des Heidelberger Theaters wiederbelebt.

Cross-Over Projekt zwischen Ausstellung, Konzert und Tanz

„Requiem“ führt in eine fantastische Wunderwelt und verlockt, die Fülle des Lebens zu würdigen. Eine Hommage an das Leben und an ihre Eltern, denen sie das Werk, zu deren Lebzeiten widmete. Das Publikum war zum interaktiven Flanieren und Kommunizieren auf die Bühne geladen, in eine sinnlich fassbare Welt fantasievoller Gestalten.

Im Foyer das erste Exponat. Die Begegnung mit der Nacktheit. Im Nebel sind die schwerelosen Bewegungen des Ungeborenen, im schützenden Element Wasser eines Aquariums wahrnehmbar. Beim Betreten des Saales, zieht sich der Raum vollkommen zurück. „Strahlendweiße Exponate“, Tänzer in Installationen als lebende Skulpturen. Bilder die performen, beherrschen die Atmosphäre.

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Im Aussichtsturm, wie auf hoher See thronend, der Dirigent: Dietger Holm. Über allem schwebend, lotst er tonlos durch die „Die Magie von Weiss“. Weiß die pure reine Form. Die nackte Wahrheit, ohne Verhüllung und doch ist dieses Weiß der Kostüme von hoher Strahlkraft: „Die Transparenz des Organzas der Tanzröckchen, üppiger Damast, weiße Haut, Gefieder. Die Detailverliebtheit von Linning und dem Künstlerduo „Les Deux Garcons“ spiegelt sich in den Exponaten.

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Stolz und aufrecht Zentaur, aus der griechischen Mythologie. Der Höllenhund wird an der Leine spazieren geführt. Die Harpyien, geflügelte Mischwesen, beugen sich pickend zum Publikum und hüten fauchend ihr Riesenei. Verwundert beäugt wird die Darmfrau, die völlig in sich versunken, ihre Eingeweide verzehrt. Fern der Welt die Sirenen verliebt und zärtlich. Diese robben im zweiten Akt als Gesangssolisten Sopran – Meerjungfrau (Hye-Sung Na) und Bariton – Wassermann (Marco Vassalli) stimmlich wie körperlich, mit ihren Fischschwänzen, höchst beweglich über die Bühne.

Man hat Platz genommen, schaut und lauscht den Klängen vom Heidelberger Orchester und Opernchor zu „Faures Requiem“. Der weißgewandete Extra-Chor wandelt singend zum Orchestergraben und leistet Sterbehilfe, in dem sie sterbende Tänzer in die Arme nehmen und zur Ruhe betten.

Die Choreografin hat nach dem Kontrapunkt zur Ruhe des Sterbens, nach der Energie des Lebens, der Liebe und Leidenschaft gesucht und sie in ihrer ansteckenden Euphorie in Bewegung gesetzt. Mit atemberaubenden Einsatz realisieren die Tänzer Umarmungen, die Sehnsucht nach Nähe und beieinander sein, als würden sie durch das Verlangen explodieren.

Ein Klangerlebnis besonderer Art bot Michiel Jansen mit „Liberty“. Die ekstatische Energie elektronischer Musik, kreierte er aus den kleinsten Atomen von „Faures Requiem“. Maßgeschneidert zu den Tanztableaux, den kraftvollen, dramaturgisch, ausladenden Bewegungen, ebenso wie zu den expressiven Bildern der Videoinstallation. Dort fließt allgegenwärtig Wasser, mal streicht es über ein Gesicht, zeigt die Evolution und holt die Menschen zum Sterben. Im finalen „In paradisum“ geht es per Video ins Wasser.

Mit diesem Werk und 100 Mitwirkenden, ist die Symbiose von bildender Kunst, Gesang, Musik, Video, Tanz und Kostüm wahrhaft gelungen.

 

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