Lesbos aktuell: „Die Insel der Empathie und der gelebten Menschlichkeit“

Lesbos funkelt wieder wie ein leuchtender Juwel in der sonnigen Ägäis.

Drei Wochen und 1000 Kilometer war ich auf der vielfältigen und zauberhaften Insel unterwegs. Die Spurensuche mit der Kamera und den Gesprächen mit zahlreichen Menschen waren sehr beeindruckend. Gefunden habe ich einen ästhetisch schönen Kontrast zu all dem, was wir ein Jahr lang an Bildern aus den Medien gesehen haben.

Die Inselbewohner wurden für den Friedensnobelpreis nominiert.

Das ist eine feine Anerkennung und den Preis hätten sich die Menschen hier wahrlich verdient. Es ist höchste Zeit,  das  man Lesbos wieder positiv wahrnimmt. Die einseitge stigamtisierende Berichterstattung des letzen Jahres haben der attraktiven Ferieninsel sehr geschadet.

Letztes Jahr wurde immer wieder gefragt: „Wie kann man den Flüchtlingen auf Lesbos helfen“. Heute stellt sich eine ganz andere Frage:  „Wie kann man den helfenden Menschen auf Lesbos helfen, damit sie nicht in Not kommen“?

Die Strände sind sauber und das Meer lädt zum Schwimmen ein.

Die sonnige Kraftinsel ist zurück im friedlichen Alltag und wartet auf Gäste.

Alles ist vorbereitet, die Einheimischen, werden euch mit Dankbarkeit und einem Lächeln empfangen. Eine Gastfreundschaft, die tief aus dem Herzen kommt. „Philoxenie“ das griechische Wort dafür bedeutet: „Den Fremden umarmen“.

Der Reisende wird mit atemberaubenden Kulissen und Landschaftsbildern, Kunst, Kultur, Heilquellen und köstlichem Essen verwöhnt.

Eine Glocke der Dankbarkeit schwebt über der Insel.

Wenn man wahre Empathie und Nächstenliebe erleben möchte, dann ist Lesbos der ideale Platz. Hier wurde  selbstlos humanitäre Hilfe geleistet.

Es wäre an der Zeit, diese großartige Leistung, der Menschen von Lesbos zu würdigen und sie nicht im Stich zu lassen. Sollen sie jetzt bestraft werden durch fehlenden Tourismus? Weil sie dafür gekämpft haben, soviel wie überhaupt möglich Menschenleben zu retten? Tag und Nacht! Über Monate hinweg.

Unermüdlich waren die Insulaner im Einsatz, um die Schutzsuchenden aus dem Meer zu retten und zu versorgen. Sie nahmen ihre eigenen Ersparnisse, um für die Kosten von Essen und Transport aufzukommen. Keiner von ihnen hat gejammert.  Das sind wahre Helden und die herzlichsten Menschen, die ich je getroffen habe.

Was hat sich auf Lesbos geändert?

Die Einwohner sind noch achtsamer geworden, auch im Umgang miteinander. Sie haben nicht nur die Verantwortung für die Menschen auf der Flucht übernommen und waren monatelang alleine mit dieser extremen Herausforderung. Ebenso haben sie auch unermüdlich ihre Strände aufgeräumt. Schülergruppen, Pfadfinder, die Bewohner und die Tourismusvereine waren immer wieder aktiv.

Auch ein Seacleaning Projekt wurde gestartet. Alles aus privaten Mitteln und eigener Kraft. Der Gedanke zum Projekt war auch hier wieder global: „Zum Schutz der Natur und der Meere“ nicht nur für Lesbos. Weil die Menschen von Lesbos ihre Heimat, ihre Insel und das Meer lieben.

Gott sei Dank kamen letztes Jahr im Spätsommer viele Menschen und Organisationen aus aller Welt um zu helfen. Auffallend viele junge Menschen, mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein. Sie kamen um Flüchtlinge zu retten, viele von ihnen blieben um den Menschen von Lesbos an der Seite zu stehen.

Selbst Flüchtlinge würden den Menschen von Lesbos gerne helfen. Ein junger Arzt aus Syrien sagte: „Wir wissen und schätzen was die Menschen hier geleistet haben und sind unendlich dankbar. Zum ersten Mal, auf unserer langen Flucht, haben wir hier auf Lesbos Menschlichkeit erlebt. Menschen, die uns die Hände entgegengetreckt haben um unser Leben zu retten. Mit offenen Herzen haben sie uns in die Arme genommen und uns versorgt. Wenn wir könnten würden wir ebenso aus ganzem Herzen helfen“.

Jeder Gast zählt. Wir haben die Möglichkeit, den Menschen von Lesbos für ihr beispielhaftes Wirken etwas zurückgeben.

Besucht Lesbos. Zeigt den Menschen von Lesbos eure Anerkennung und Empathie für ihre grandiose Leistung.

Auf Lesbos kann man Freunde fürs Leben finden und unschätzbare Erinnerungen mit nach Hause nehmen.

Gute Reise zur Insel von einzigartigen Naturphänomenen und  Menschlichkeit.

 

Text: Rena Hoffmann

Fotos: Rena Hoffmann

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  1. Es werden in Kürze noch mehr Berichte über Lesbos folgen.

  2. ute duerrbaum 26. Juni 2016 at 11:16 · ·

    Sie sprechen mir aus dem Herzen.
    Ich lebe in Athen und bin seit 20 Jahren jeden Sommer dort.
    Das hat diese wunderbare Insel nicht verdient.
    Fürchte nur, dass die Pauschaltouristen sich für solche Berichte gar nicht interessieren.
    Aber zum Glück gibt es ja noch die vielen Individualtouristen, die die Situation wohl differnezierter betrachten.
    Herzlichen Dank!

  3. martina bissinger 26. Juni 2016 at 11:35 · ·

    Ich bin Reiseleiterin dort und seh wie die Menschen dort auf jeden Gast warten. Die Einwohner haben alles gegeben und nun werden sie fallen gelassen. Wie soll das nur naechstes Jahr weitergehen. Bitte helft uns!

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